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09-07-10 17:56 Alter: 57 days

18% Wirtschaftswachstum in China

18% Wirtschaftswachstum in China - Ein Traum, den auch deutsche Unternehmer träumen wollen. Dabei treffen sie jedoch auf unterschiedliche Herausforderungen.

Träumen Sie auch von einem Wirtschaftswachstum von 18%, wie in der Vorzeigeregion Jiaxing?  In China wächst die Wirtschaft rasant, trotz derzeitiger globaler Finanzkrise.[1] Welche Chancen und Herausforderungen, aber auch Konsequenzen bringen diese Träume mit sich? Zhong Guo ? das Land der Mitte, wie sich China in der Landessprache nennt - entwickelt sich zunehmend auch als die Mitte des Weltmarktes.

Was bedeutet Business in China für ausländische Unternehmer? Zahlreiche Unternehmer tummeln sich im Import und Export von Waren, während andere wiederum die Initiative ergreifen ihre chinesische Dependance in Steueroasen zu begründen. Business in China unterliegt eigenen Regeln und kulturellen Gebräuchen, an die sich westliche Manager oftmals gewöhnen müssen oder sich gar wundern, wenn ein Geschäftsabschluss nicht zustande kommt. So verwundert es Investoren, wenn sie nicht mit anderen Unternehmen über Aufträge und gemeinsame Zukunftspläne diskutieren können, sondern an die ?Business Development-Abteilung? einer Stadt verwiesen werden, die ihren Bedarf und Angebot kritisch während einer offiziellen Präsentation überdenken und beim Mittagessen mitteilen, ob und in welcher Region die ausländische Unternehmung etabliert wird. Zum Beispiel stellte der Unternehmer Timo Traurig (Unternehmensberater der MeJuvante GmbH) ein Jobportal für Freiberufler und Personal bei diversen chinesischen Partnern im Großraum Shanghai vor, mit dem Ergebnis, dass ein solches Portal nicht notwendig sei. Wenn Berater für Management, IT, SAP oder dergleichen für einen Einsatz erforderlich sind, greifen die unendlich großen Netzwerke aus Politik und Wirtschaft. Ein Portal für SAP´ler oder Berater für Banken ist nicht notwendig. SAP Berater werden in Jiaxing ausgebildet und Profis für Banken findet man im nördlich von Shanghai gelegenen Jiading, wo die Backoffices der großen shanghaier Banken liegen. [2]

Zur erfolgreichen Unternehmensführung in China bedarf es der guten Zusammenarbeit mit öffentlichen Amtsträgern wie Bürgermeistern, oder sogenannter Business Development Managern. Ihnen obliegt die Entscheidung, welche Unternehmen für Partnerschaften in Frage kommen und sie setzen sich aktiv für die lokalen Unternehmer ein. Geld scheint beim Ködern von ausländischen Unternehmen keine Rolle zu spielen. Zweijährige Steuerfreiheit, kostenfreie Großraumbüros in besten Lagen, als auch ein kleines Team von mindestens 5 Mitarbeitern werden kostenfrei in Aussicht gestellt, in der Hoffnung, dass das Geschäftsmodell aufgeht.

Warum sollte ein ausländisches Unternehmen also nicht  nach China kommen? Der gewohnte bürokratische Verwaltungswust entfällt und scheinbar alle Bedenken und Risiken lösen sich in Wohlgefallen auf. Bei diesen Aussichten möchte sich der ausländische Unternehmer auch einen großen Teil des asiatischen Kuchens abschneiden. Einer der größten Vorteile Chinas ist das enorme Volumen an Arbeitskräften. Von den  über 1,3 Mrd. Menschen leben ca. 40% in Städten. Der restliche Teil mit 60% lässt sich ohne besondere Mühe aus den urbanen Gegenden in die Städte holen und bekommt eine Ausbildung an Schulen oder Universitäten[3]. Dabei handelt es sich  zu einem Großteil um studierende Akademiker, die gerne ihr Können unter Beweis stellen wollen und dies für einen sehr geringen Lohn. Das Modell scheint perfekt. Eine Marktwirtschaft, die aufgrund ihres enormen Binnenmarktes und Einwohnerzahl, sozialistisch geführt wird. China ein Vorbild für Wachstum, in dem alle Führungskräfte darauf bestehen immer kollektiv im Sinne des chinesischen Gemeinwohles zu handeln. Eine Meldung der Superlative jagt die Nächste, wie der Bau des Transrapids, der wichtige  Industriestädte miteinander verbindet, oder der Bau der weltgrößten Brücke mit 36 km Länge über das ostchinesische Meer.[4]

Diesen lockenden Chancen steht jedoch ein Stück Realität gegenüber. Als Meister der Kopierkunst fertigen sie in windes Eile Kopien verschiedenster Produkte an, ohne auf internationale Standards Rücksicht zu nehmen. Dabei regiert der schnelle Yuan und man kann sich gegen landesübliches Gebaren nicht zur Wehr setzen, wie einige Beispiele Deutscher Unternehmer oder auch Großkonzerne zeigen. Die Leidtragenden sind die ausländischen Unternehmen, die ihr Know-How mitbringen, um in den chinesischen Markt einzusteigen. Der chinesische Markt entpuppt sich jedoch als riesiger Schwamm, der die Ideen, Strategien und Produkte aufsaugt und den Unternehmer letzten Endes auf dem Trockenen lässt. So findet man das bekannte iPhone im identischen Aussehen als Phone und aus einem Sony Ericsson wird Somy Ennicson.[5]

In einer Studie wurden 700 ausländische Unternehmer befragt, die in China tätig sind, mit dem Ergebnis, dass 96% von Ihnen Opfer eines Betruges wurden[6]. Der schnelle Yuan ist so verführerisch, dass er von den Problemen ablenkt. Schnell wird vergessen, dass die Menschen in China unter einer starken staatlichen Regulierung leben, in der beispielsweise über Nacht unangenehme Themen in der Weltsuchmaschine ?Google? von chinesischen Zensoren gelöscht werden. Dass die Arbeitsbedingungen und die niedrigen Löhne alarmierend sind, stört in chinesischen Führungsriegen keinen.

Ideale und Kulturen scheinen gegen den Materialismus ausgetauscht zu sein. Der Begriff der Nachhaltigkeit scheint weder im Bezug auf das Human-Kapital noch der Umwelt im chinesischen Wortschatz zu existieren.

Die Chinesen werden ihre Rolle als einer der Global Player und Land der Mitte weiter ausbauen und zunehmend für die globalisierte Wirtschaft an Bedeutung gewinnen. Das 21. Jahrhundert wird deswegen oft als das Jahrhundert der Chinesen bezeichnet.

Für Unternehmer kann China ein sehr attraktiver Standort sein. Es ist jedoch zu beachten, dass das Business in China besonderen Regeln und Gebräuchen unterliegt. Unabhängig von der Art des  Geschäftes sollte der Schritt nach China sorgfältig vorbereitet werden, um dauerhaft am enormen Wachstum der chinesischen Wirtschaft teil zu haben.

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Maximilian Schmidt und ist Absolvent der 11. Klasse am Gymnasium der Herderschule und ist Co-Autor des Artikels. Im Rahmen seines Praktikums bei der Unternehmensberatung MeJuvante GmbH hat er Herrn Timo Traurig -dem Gründer der Unternehmung- unterstützt beim Verfassen des Artikels. Hintergrund ist u.a. das persönliche Interesse von Herrn Schmidt in fernöstliche Kulturen, welches im Rahmen des Praktikums auf die Erfahrungen der MeJuvante GmbH als Unternehmensberatung u.a. mit Schwerpunkt China und Indien stößt. Sie erreichen die Autoren unter info[at]mejuvante.com


[1] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/china-wirtschaftswachstum-zahlen-wie-aus-einer-anderen-welt-1.55835

[2] http://www.zeit.de/2005/05/Jiaxing-Kapitalismus

[3] https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ch.html

[4] http://www.welt.de/print-welt/article239386/China_baut_die_laengste_Bruecke_der_Welt_ueber_das_Meer_vor_Shanghai.html

[5] http://www.chip.de/news/Somy-X5-Dreister-Pureness-Klon-fuer-unter-60-Euro_41226104.html

[6] http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-06/china-globalisierung